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WARUM ICH DAS ERSTE PERSONAL COMPUTER BUCH SCHRIEB

Im Jahre 1974 war ich wütend über das stereotype Bild von Computern: groß, bürokratisch, »wissenschaftlich« und nach weitverbreiteter Ansicht die rechtmäßige Dornäne von IBM. Besonders gemein an diesem Gemeinplatz war. daß IBM damals buchstäblich der Feind der persönlichen Computer-Freiheit war. Als ich Computer Lib schrieb, waren Personal-Computer noch das Hoheitsgebiet der 50000 Dollar teuren DEC-Minicomputer und ihrer Nachahmer.

Daher versuchte ich, einen Bestseller zu schreiben und die Massen mit der Frohen Botschaft vom Spaß, der Aufregung und der persönlichen Herausforderung des Computers zu erreichen. Obwohl ich über 40000 Exemplare des selbstverlegten Buches verkauft (und damit den Grundstein für die aufblühende Verlagsbranche der Cornputer-Bücher gelegt) habe, hat es nicht geklappt. Die Leute, die Computer Lib lasen. waren brilliante Exzentriker. Mit Sicherheit nicht die Massen, aber dennoch eine recht hübsche Gesellschaft.

Schließlich fand die Frohe Botschaft Verbreitung. Ich würde sagen, daß die meisten Leute heute eine Vorstellung davon haben. Ich schrieb für das einfache Ideal der Freiheit, die Freiheit der Leute, ihren eigenen Kram mit Computern zu machen, eine Blüte, die dabei war, sich zuöffnen, und die Freiheit im viel tieferen Sinn, die mit den langfristigen politischen Themen zusammenhängt. Obwohl ich es versucht habe, sind diese Themen noch nicht ins Bewußtsein der Öffentlichkeit eingedrungen.

Ich schrieb das erste Personal-Computer-Buch auch meiner persönlichen Freiheit wegen, um eine Menge Geld damit zu verdienen und keine widerlichen Jobs mehr annehmen zu müssen, und um an den Artikeln und Projekten arbeiten zu können , die ich für wichtig halte. Das hat auch nicht geklappt. Es war mein eigener Fehler, das Schriftbild zu klein zu machen, was sich als unwiderrufliche Entscheidung herausstellte. da ich die Zeichnungen zu fest aufgeklebt hatte. (Damals in meinen Dreißigern, glaubte ich nicht, daß andere Leute Schwierigkeiten hätten, kleine Schrift zu lesen. Jetzt weiß ich es besser. Ach ja.)

Schließlich schrieb ich Computer Lib als Aufforderung an die schlauen jungen Hacker, sich meinem großen Kreuzzug anzuschließen, dem Projekt Xanadu, das heute eine besondere Form der Speicherung ist und dermaleinst die elektronische Bücherei für alle werden soll, die Ideen und Freiheit in all ihrer Opulenz mögen. Die Aufforderung verbarg sich gemeinerweise im hinteren Teil des Buches, der wiederum in der Mitte versteckt war. So war sichergestellt, daß nur die hartnäckigsten und brillantesten Leser sie finden würden.

Aber das war der Teil, mit dem es klappte: Auf direkten und indirekten Wegen zog das Buch verrückte Genies und wunderbare Leute an, die nach meinen Plänen bauten, sie auf ernsthafte und solide mathematische Grundlagen stellten und ermöglichten, daß Xanadu geboren wurde.

TED NELSON

 

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